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Sonntag, 22. August 2010

Steine



Wie glücklich ist der kleine Stein,
Der über Wege streift allein
Und um Erfolg sich kümmert nicht
Auch kein Verlangen aus ihm spricht - -;
Der eingehüllt in schlichtes Braun
Um sich das Universum trägt,
Und wie die Sonne frei und rein
Verbindet und alleine leuchtet,
das höchste Sein verwirklicht er
durch schlichte Einfachheit . nichts mehr - -

Emily Dickinson

Sorglos

Heb einen Kieselstein auf
und übergib ihm deine Sorgen,
deine Ängste und Zweifel.
Und dann wirf ihn ins Meer.
Die Wellen machen Sand daraus,
langsam aber sicher.
Wunderbaren, feinen Sand,
der zum Strandspaziergang einlädt.

Jochen Mariss

Ein umhäkelter Stein.
Für einen lieben Menschen,für den Steine eine besondere Bedeutung haben.
Eine Häkelnadel,dünnes Garn,mit einem kleinen Kreis beginnend treiben lassen,der Form des Steins folgend.
Die Bedeutsamkeit des Steins verbunden mit dem Tun meiner Hände.

"Es ist Nacht,
und mein Herz kommt zu dir,
hält´s nicht aus,
hält´s nicht mehr aus bei mir.

Legt sich dir auf die Brust,
wie ein Stein,
sinkt hinein,
zu dem deinen hinein.

Dort erst,
dort erst kommt es zur Ruh,
liegt auf dem Grund
seines ewigen Du."

Christian Morgenstern

Die Steinsuppe

Ein Mönch ging betteln. Er kam an die Tür eines Bauern, aber sie wollten ihm nichts geben. Der Klosterbruder war zum Umfallen hungrig und sagte: „Na, dann will ich sehen, dass ich mir eine Steinsuppe mache." Und er hob einen Stein vom Boden auf, putzte die Erde ab und begann ihn zu betrachten, ob er sich für eine Suppe eignete. Die Leute aus dem Haus konnten sich vor Lachen über den Klosterbruder und über seinen Einfall nicht halten. Da sagte der Klosterbruder: „Wie, habt ihr nie Steinsuppe gegessen? Ich kann euch sagen, das ist eine leckere Sache." Sie antworteten ihm: „Nun, dann zeig uns das mal." Das wollte der Klosterbruder nur hören. Nachdem er den Stein saubergemacht hatte, sagte er: „Könnt ihr mir wohl einen Topf leihen?" Man gab ihm einen Topf aus Steingut. Er füllte ihn mit Wasser und legte den Stein hinein. „Wenn ihr mich jetzt den Topf ans Feuer stellen ließet…" Man ließ ihn gewähren. Sobald das Wasser im Topf zu sieden begann, sagte er: „Mit ein wenig Schmalz würde die Suppe vorzüglich werden." Man holte ihm etwas Schmalz. Die Suppe kochte und kochte, und die Leute aus dem Hause ließen den Mund offenstehen vor Verwunderung. Da probierte der Klosterbruder die Suppe und bemerkte beiläufig: „Sie ist ein wenig fad. Es fehlt unbedingt noch Salz." Man gab ihm auch das Salz. Er schmeckte die Suppe ab und sagte: „Wenn jetzt noch ein paar junge Kohlblätter dazukämen, würde die Suppe himmlisch schmecken." Die Frau des Hauses ging in den Garten und brachte ihm zwei Kohlköpfe. Der Klosterbruder säuberte sie, zerpflückte sie zwischen den Fingern und ließ die Blätter in den Topf fallen. Als die Kohlblättchen gar waren, sagte er: „Also, ein Stückchen Wurst würde der Sache die Krone aufsetzen…" Man brachte ihm ein Stück Wurst, er warf es in den Topf und während es kochte, zog er Brot aus seinem Rucksack und schickte sich an, gemächlich zu essen. Die Suppe roch, dass es eine Wonne war. Er aß und leckte sich die Lippen ab und nachdem er den Topf geleert hatte, blieb der Stein auf dem Boden zurück. Die Leute aus dem Haus hingen mit den Augen an ihm und fragten ihn: „Sagt, Herr Klosterbruder, und der Stein?" Da antwortete der Klosterbruder: „Den Stein, den wasche ich und nehme ihn für das nächste Mal mit." Und so kam er zu einem Essen, wo man ihm nichts geben wollte.

(aus Diederichs „Märchen der Weltliteratur", Märchen aus Portugal/Quelle: http://www.der-stein-fluesterer.de/)



Herzliche Grüsse

Barbara


Kommentare:

  1. steine sind etwas wunderbares ... umhäkelte steine erst recht!
    einen schönen montag wünscht
    frauwoauspo

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  2. Ist das ein schöner Eintrag. Die Idee ist super, Dein umhäkelter Stein eine Wucht und Deine Worte und die Gestaltung einfach nur schön und berührend.
    GlG Bernstein

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  3. Ein wunderbarer Eintrag, schöne Geschichte, hat mich sehr berührt. Ich hebe jedesmal ein par Steine auf und nehm sie mit heim, wenn ich mit meinen Kindern am Wasser bin. Dein Blog ist einfach ne Wucht, hab ihn ganz durchgelesen, und komme ganz bestimmt wieder, es ist so schön bei dir. Hab selber keinen Blog, bin über die Handarbeitsfrau.de zu deinem Blog gestoßen. Schöne Grüße, Ilse M

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  4. ...genau das habe ich jetzt gebraucht :) Diese Ruhe und Gelassenheit in Deinen Zeilen - hatte mich gerade fürchterlich über Jemand aufgeregt - und nun bin ich wieder unten...der Stein wird zu Sand...wie gut und wahr diese Aussage ist. Hab´herzlichen Dank!

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  5. Was fuer eine nette Geschichte!
    Und wie huebsch die umhaekelten Steine sind - das moechte ich auch mal versuchen, das ist eine richtig schoene Idee fuer kleine Geschenke! Danke fuers Zeigen!!

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  6. Liebe Barbara,

    ich sprach vom Umhäkeln der Steine und Du tatest es! Sie sind sehr schön geworden und ich danke Dir auch für die Verse und die Geschichte.

    Steine sind etwas ganz Besonderes. Ich habe auch gerade mal wieder einen "Wanderstein" in der Hosentasche. Seit ca. 6 Wochen wandert er von Hosentasche zu Hosentasche und ich bringe es nicht übers Herz in fort zu werfen.
    Ich habe ihn gerne in der Hand, drehe ihn herum und betrachte ihn.

    LG von Jule

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  7. Wunderschöne Bilder und Gedichte.
    Die umhäkelten Steine sehen sehr schön aus. Sowas habe ich noch nie gesehen.
    Es gibt so viele tolle Ideen...

    Habe mich auf deinem Blog sehr wohl gefühlt.
    Liebe Grüße von 2 B's World

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  8. Tante ich finde deine Steine schonn auf denn Bildern sher schön aber in echt sehen sie noch viel schöner aus.

    Ich hab dich lieb, dein über alles geliebter Daniel :)

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